In die USA, nach Großbritannien, Spanien oder Frankreich: Der Schüleraustausch in der Oberstufe und der Auslandsaufenthalt während des Studiums sind schon lange gang und gäbe. Was weniger bekannt ist: Auch Auszubildende können an Austauschprogrammen teilnehmen und für mehrere Wochen vom heimischen Betrieb in ein Unternehmen im Ausland wechseln.
Um die Mobilität in der beruflichen Bildung voranzutreiben, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereits seit vielen Jahren verschiedene Austauschprogramme für Auszubildende, hauptsächlich nach Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Polen, Tschechien und in die Niederlande.
Organisiert werden diese Programme von Austauschorganisationen wie dem Koordinierungszentrum deutsch-tschechischer Jugendaustausch, dem Deutsch-Französischen Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung und von InWEnt. Die Bonner gemeinnützige Gesellschaft ist zuständig für den Austausch mit den Niederlanden, mit Großbritannien und Norwegen. Der Austausch mit den Niederlanden hat die längste Geschichte: Er besteht schon seit 1995, die jüngste Kooperation mit Norwegen existiert seit 2003.
„Jährlich werden rund 1000 Auszubildende und ihre Ausbilder mit unseren Programmen gefördert “, erklärt Sandra Heidemann vom Team bilaterale Programme bei InWEnt. Denn in die Programme sind nicht nur die Auszubildenden eingebunden, sondern auch Ausbilder und Lehrer, die den Austausch inhaltlich begleiten. So bekommen auch sie Einblick in die Ausbildungsorganisation und Ausbildungspraxis im Austauschland und zwischen Unternehmen und Berufsbildungseinrichtungen entstehen grenzüberschreitende Partnerschaften.
„Jugendliche die diesen Austausch gemacht haben sind in der Regel sehr stolz“, weiß Heidemann. „Schließlich müssen sie mehrere Wochen im fremden Betrieb bestehen, mit der fremden Sprache, den neuen Kollegen und der Gastfamilie oder den Jugendherbergseltern klarkommen.“ Sie qualifizieren sich nicht nur fachlich und in der fremden Sprache, sondern trainieren Soft Skills wie Teamfähigkeit und Kooperationsfähigkeit.
Und so läuft der Austausch ab: Für drei bis zwölf Wochen fährt eine Gruppe Auszubildender zum Beispiel nach Norwegen, und die norwegischen Auszubildenden kommen parallel oder zeitversetzt nach Deutschland. Im Gastland leben sie entweder in Jugendherbergen, in Trainingszentren der Unternehmen oder auch bei Gastfamilien. Wichtig: Es können nur Jugendliche teilnehmen, die sich in der dualen Berufsausbildung befinden.
Nicht immer sind die Zuschüsse des BMBF kostendeckend. „Aber viele Unternehmen sind bereit, den Austausch zu bezuschussen“, erklärt Sandra Heidemann. Auch die Ausbildenden bringen etwas ein: „Von ihnen werden natürlich Lust und Laune, Einsatz und Engagement verlangt. Aber auch noch ein bisschen mehr. So gibt es zum Beispiel das Modell, dass eine Woche des Austauschs in die Schulferien fällt, eine Woche stellt der Betrieb den Auszubildenden frei und er selbst bringt eine Woche Urlaub ein. „Da geht es nicht konkret ans Portemonnaie, sondern um eine unbare Eigenbeteiligung.“
Ein Lieblingsaustauschland gibt es nicht, so Heidemann. Eher ist es so, dass sich Schwerpunkte in den einzelnen Ländern herauskristallisiert haben. So sind es häufig Auszubildende aus der Logistikbranche, die nach Holland wechseln oder auch – ganz dem Klischee entsprechend – Floristen und Gärtner. Mit Großbritannien findet der Austausch eher in technischen Berufen statt. Und in Norwegen sind es meist Berufe aus dem Holzsektor und aus dem Hotel- und Restaurantgewerbe.
„Einige Projektträger schicken ihre Köche sehr gern nach Norwegen, denn dort lernen sie alles zum Thema Fisch“, berichtet Heidemann. „In diesem Umfang in Sachen Fisch in Deutschland auszubilden, ist kaum möglich, weil hier der Rohstoff Fisch für die Ausbildung zu teuer ist. Ein Ausbilder hat sogar arrangieren können, dass seine angehenden Köche auf den berühmten ehemaligen Postschiffen entlang der Hurtigroute mitfahren und dort die Schiffsküche kennenlernen.“
Dass so ein Austausch sogar die ganze Lebensplanung beeinflussen kann, hat Heidemann auch schon erlebt: „Ein Zimmermannslehrling, der an dem Austauschprogramm mit Norwegen teilgenommen hatte, wollte nach seiner Abschlussprüfung sein Glück in Norwegen versuchen. Mittlerweile hat er dort Fuß gefasst und ist glücklich. Nie, so sagt er, wäre er ohne diesen Austausch auf die Idee mit Norwegen gekommen.“
Weiterführende Informationen: BMBF: Internationale Austausch- und Kooperationsprogramme
Berufliches Lernen in Europa mit LEONARDO DA VINCI (Mobilitätsprojekte), Halle 06.1 Stand A066 B067. 16.03.2010, 13 Uhr
Das InWEnt-Team informiert während der gesamten Messe über Austauschprogramme, Halle 9, Stand A 015
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